Tendenz oder richtungsweisender Trend?

Wird sich der integrierte Bericht als Alternative zu klassischen Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichten in der Breite durchsetzen? Diese Frage ist bislang nur schwer zu beurteilen. Eine Übersicht der weltweit veröffentlichten integrierten Berichte ist nicht verfügbar. Die Betrachtung der regulatorischen Vorgaben weltweit, die Auswertung der Datenbank der Global Reporting Initiative (GRI) sowie unsere eigenen Recherchen ermöglichen eine erste Annäherung.

Ging das IIRC letztes Jahr noch davon aus, dass 2015 weltweit rund 1000 Unternehmen einen integrierten Bericht veröffentlichen würden[1], liegen die Schätzungen für das abgelaufene Jahr inzwischen bei etwa 2000 Berichten.[2] Allerdings handelt es sich dabei tatsächlich nur um Schätzungen: Eine zentrale Datenbank für integrierte Berichte wurde bisher nicht aufgebaut. Die einzige öffentlich zugängliche Datenbank, die integrierte Berichte nachvollziehbar dokumentiert, ist die „Sustainability Disclosure Database“ der Global Reporting Initiative (GRI). Aus ihr lässt sich bezogen auf das Berichtsjahr 2014 eine Zahl von rund 650 integrierten Berichten ablesen – eine Verdopplung seit 2010.[3] Diese sind allesamt konform mit den Vorgaben der GRI-Leitlinien für Nachhaltigkeitsberichte. Verglichen mit der Zahl an Nachhaltigkeitsberichten lag der Anteil der 2015 veröffentlichten integrierten Berichte bei 12,5 Prozent und ist gegenüber den Vorjahren leicht rückläufig.

Entwicklung der GRI-konformen Nachhaltigkeitsberichte sowie des prozentualen Anteils GRI-konformer integrierter Berichte weltweit. Erstellt auf Basis der Sustainability Disclosure Database der Global Reporting Initiative.

Anwendung der GRI-Leitlinien bei den für diese Studie analysierten integrierten Berichten deutscher Unternehmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Entwicklung in einzelnen Ländern lässt sich anhand nationaler Studien nachvollziehen. In Japan veröffentlichten 2014 knapp 150 Unternehmen einen integrierten Bericht.[4] Ein Viertel davon richteten ihren Bericht am <IR> Rahmenwerk aus. Für die Niederlande hat der Investorenverband Eumedion in einer Umfrage ermittelt, dass mehr als ein Drittel der an der Amsterdamer Börse notierten Unternehmen an dem Übergang zur integrierten Berichterstattung arbeiten.[5]

Gesetzliche und regulatorische Treiber

Der überwiegende Teil der integrierten Berichte stammt aus Ländern, in denen es staatliche und regulatorische Vorschriften für die Aufnahme nichtfinanzieller Angaben in den Geschäftsbericht gibt. Die Vorgaben reichen von der Pflicht zur Einbettung eines nichtfinanziellen Kapitels in den Geschäftsbericht bis hin zu Erstellung eines vollwertigen integrierten Berichts. In der Regel sind diese Vorgaben nach dem „Comply or Explain“-Prinzip aufgebaut. Unternehmen haben also die Wahl den Vorgaben zu entsprechen oder stattdessen zu erklären warum sie diese nicht umsetzen.

3.1_IR_Weltkarte_Auflagen_Empfehlungen

Quelle ist das Arbeitspapier „Corporate Social Responsibility Disclosure Efforts by National Governments and Stock Exchanges“ der Initiative for Responsible Investment (2015). Die Auflagen zur Offenlegung beziehen sich auf nichtfinanzielle Informationen in der Geschäfts- und/ oder Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Südafrika gilt in dieser Hinsicht als Pionier. Dort verpflichtet der King III Code die knapp 500 an der Johannesburger Börse notierten Unternehmen seit 2010, integriert zu berichten.[6] Dabei wird die Anwendung des <IR> Rahmenwerks zur Ausübung einer guten Berichtspraxis empfohlen.[7] Da die Berichtspflicht dort inzwischen ins sechste Jahr geht, findet man in Südafrika viele Unternehmen, die mit ihren integrierten Berichten neue Maßstäbe setzen. Positiv entwickelt hat sich beispielsweise die Darstellung der Wertschöpfung im Hinblick auf ein ganzheitliches Bild der verschiedenen Kapitalarten, Ressourcen und Beziehungen. Zunehmend werden Informationen zu nichtfinanziellem Kapital offengelegt und mit finanziellen Aspekten verknüpft. Auch gelingt es einer wachsenden Zahl von Unternehmen, ihren integrierten Bericht durch Querverweise und grafische Datenaufbereitung kompakt und übersichtlich zu gestalten. Verringerte Redundanzen einerseits und eine bessere Verknüpfung finanzieller und nichtfinanzieller Informationen andererseits stellen weitere positive Trends dar.[6]

EU-CSR Berichtspflicht: Impuls für Integration?

In Dänemark und Frankreich gibt es bereits seit 2008 bzw. 2012 gesetzliche Vorschriften zur Offenlegung von nichtfinanziellen Angaben im Geschäftsbericht. Künftig werden ähnliche Vorgaben auf alle Mitgliedsstaaten der europäischen Union ausgeweitet. Hintergrund ist die EU-Richtlinie zur Offenlegung nichtfinanzieller Informationen (CSR-Richtlinie), die im April 2014 vom Europäischen Parlament verabschiedet wurde und bis 2017 von den Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt werden soll. Sie wird Unternehmen im „öffentlichen Interesse“ – also insbesondere Kapitalgesellschaften, Banken und Versicherungen – dazu verpflichten, in ihren Lageberichten Mindestangaben zu Umwelt-, Sozial-, und Arbeitnehmerbelangen sowie zu Governance- und Compliance-Themen zu machen. Insbesondere durch die Aufforderung, nichtfinanzielle Inhalte im Lagebericht offenzulegen, geht die EU einen Schritt in Richtung integrierter Berichterstattung.

Allerdings sind die Anforderungen der EU-Richtlinie nicht mit den Anforderungen des IIRC gleichzusetzen. Unternehmen sind lediglich aufgefordert eine nichtfinanzielle Erklärung in den Lagebericht aufzunehmen. Sie sind nicht verpflichtet, diese Angaben in andere Berichtsabschnitte zu integrieren. Zudem können Unternehmen die Berichtspflicht auch durch einen separaten Nachhaltigkeitsbericht, der den inhaltlichen Anforderungen der Richtlinie entspricht, abdecken. Ein deutliches Signal für die integrierte Berichterstattung wird durch die EU-Richtlinie also nicht gesetzt.

Quellen:

  • [1] http://integratedreporting.org/news/integrated-reporting-is-taking-off-in-france/ (Zugriff: Januar 2016).
  • [2] Nach Auskunft des IIRC.
  • [3] http://database.globalreporting.org/ (Zugriff: Januar 2016).
  • [4] KPMG (2014): Survey of Integrated Reports in Japan.
  • [5] http://integratedreporting.org/news/more-than-a-third-of-dutch-listed-companies-are-working-towards/
  • [6] Ernst & Young (2015): EY’s Excellence in Integrated Reporting Awards 2015.
  • [7] Integrated Reporting Committee of South Africa (2014): Preparing an Integrated Report - A Starter’s Guide.