Kein durchschlagender Trend

In Deutschland hat sich die Zahl der integriert berichtenden Unternehmen zwischen 2013 und 2015 erhöht: Veröffentlichten für das Berichtsjahr 2012 erst ein knappes Dutzend Unternehmen einen integrierten Bericht, so ist die Zahl der berichtenden Unternehmen für das Berichtsjahr 2014 auf 21 gestiegen.[1] Trotz dieses positiven Trends ist die Zahl integrierter Berichte insgesamt noch sehr gering.[2] Zum Vergleich: 10 Prozent der DAX-und MDAX -Unternehmen veröffentlichten für das Berichtsjahr 2014 einen integrierten und 41 Prozent einen separaten Nachhaltigkeitsbericht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aktuell ist integrierte Berichterstattung in Deutschland vor allem für größere Unternehmen relevant: Zehn der 2015 berichtenden Unternehmen erzielten einen Umsatz zwischen einer und zehn Milliarden Euro, sieben liegen sogar darüber. Nur vier Unternehmen erwirtschafteten weniger als eine Milliarde Euro Umsatz.

 

 

 

Mit je vier integrierten Berichten sind die Branchen Energie, Chemie und Pharmazie sowie Transport & Logistik am stärksten vertreten. Danach folgen Technologieunternehmen mit drei sowie die Finanz- und Konsumgüterbranche mit je zwei integrierten Berichten. Darüber hinaus berichtet ein Bauunternehmen integriert.

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Vollwertige Integration?

In Deutschland hat sich noch kein einheitlicher Standard für Inhalt und Struktur eines integrierten Berichts durchgesetzt. Die Bewertung der Berichte im Rahmen dieser Studie zeigt, dass es starke Unterschiede bezüglich des Grads der Integration gibt. Unter den Berichten finden sich sowohl Beispiele für die vollwertige Integration nichtfinanzieller und finanzieller Inhalte im Sinne des <IR>-Rahmenwerks, als auch Beispiele, bei denen Nachhaltigkeitsangaben nur punktuell in den Geschäftsbericht aufgenommen wurden. Bei fast allen in dieser Studie untersuchten Berichten kann man im Laufe der Jahre eine zunehmende Integration feststellen. Einzig Siemens veröffentlicht 2016 anstelle eines integrierten Berichts wieder einen separaten Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht.

Impulswirkung gesetzlicher Vorgaben bleibt (bisher) aus

In Ländern wie Südafrika, Dänemark oder Frankreich ist der Gesetzgeber ein wesentlicher Treiber für die integrierte Berichterstattung. In Deutschland haben ähnliche regulatorische Impulse bisher keine erkennbare Wirkung entfaltet.

Mit der Änderung der Paragraphen 289 Abs. 1 und 315s des Handelsgesetzbuchs (HGB) sind insbesondere große Kapitalgesellschaften bereits seit 2005 verpflichtet, nichtfinanzielle Leistungsindikatoren in ihre Lageberichterstattung zu Umwelt- und Arbeitnehmerbelangen einzubeziehen. Dies gilt, sofern diese Indikatoren für die aktuelle Lage oder die voraussichtliche Geschäftsentwicklung relevant sind. 2012 wurden Aspekte der Nachhaltigkeitsberichterstattung auch in den Deutschen Rechnungslegungsstandard 20 integriert: Unternehmen sollen seither steuerungsrelevante nichtfinanzielle Leistungsindikatoren festlegen und Prognosen für diese Kennzahlen abgeben.[3] Dass diese Anforderungen in der Praxis herausfordernd sind, zeigt ein Blick in die Geschäftsberichte 2014 der DAX 30-Unternehmen: Nur sieben geben darin im Sinne des DRS20 Prognosen zu nichtfinanziellen Leistungsindikatoren ab.[4]

Ein möglicher Grund: Unternehmen folgen in der Mehrheit einer sehr engen Auslegung des Wesentlichkeitsprinzips. Sie orientieren sich bei der Auswahl der wesentlichen Themen vor allem an den Interessen eines kurzfristig orientierten Kapitalmarkts. Nichtfinanzielle Themen erreichen so nicht die notwendige Wesentlichkeitsschwelle. Diese Themen werden daher im Geschäftsbericht meist lediglich in einem eigenständigen Nachhaltigkeitskapitel abgehandelt. Ein solches Kapitel stellt Nachhaltigkeitsaspekte jedoch oft ohne Bezug zu Geschäftstätigkeit und -verlauf dar und ist nur sehr rudimentär mit anderen Abschnitten des Lageberichts verknüpft. 36 der insgesamt 80 DAX-und MDAX -Unternehmen wählten für das Berichtsjahr 2014 diesen Weg.

Abzuwarten bleibt, ob die Übertragung der EU CSR-Berichtspflicht in deutsches Recht der integrierten Berichterstattung einen neuen Impuls geben kann. Darin wird gefordert, dass insbesondere Unternehmen im öffentlichen Interesse – also Banken, Versicherungen und Kapitalgesellschaften – Mindestangaben zu Umwelt-, Sozial-, und Arbeitnehmerbelangen sowie zu Governance- und Compliance-Themen in ihren Geschäftsberichten veröffentlichen. Die Vorgaben enthalten jedoch keine Pflicht zur Integration. Zudem können Unternehmen die Anforderungen auch künftig mit einem separaten Nachhaltigkeitsbericht abdecken. Ein klares Zeichen wird damit also nicht gesetzt.

Quellen:

  • [1] Wir haben integrierte Berichte deutscher Unternehmen analysiert, die für die Berichtsjahre 2012, 2013 und 2014 veröffentlicht wurden. Insgesamt haben wir für unser Ranking knapp 50 Berichte bewertet.
  • [2] Integrated Reporting Committee of South Africa (2014): Preparing an Integrated Report - A Starter’s Guide.
  • [3] DRS 20 (2012): Deutscher Rechnungslegungs Standard Nr. 20 Konzernlagebericht.
  • [4] Kirchhoff Consult & Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (2015): Prognoseberichterstattung und Prognosegenauigkeit im DAX 30.