Von der Idee zur Standardisierung

2013 hat das IIRC das <IR>-Rahmenwerk herausgegeben. Ziel ist es, das ambitionierte und neue Feld der integrierten Berichterstattung abzustecken und Unternehmen bei der Umstellung auf ein integriertes Format zu helfen.  Bei dem Rahmenwerk handelt es sich um einen freiwilligen Standard für integrierte Berichte, mit dem eine zusammenhängende Bilanzierung von Finanz-, Umwelt-, und Sozialaspekten erreicht wird. Der Veröffentlichung des Rahmenwerks ging ein mehrjähriger Prozess voraus, an dem sich auch die Herausgeber vorgeschriebener und freiwilliger Reporting-Standards beteiligten.[1] Insgesamt 140 Unternehmen und Investoren aus 26 Ländern nahmen an dem 2011 initiierten und 2015 beendeten Pilotprogramm zur Anwendung des IIRC-Berichtsrahmens teil.IR-B_Entwicklung IIRCKernstück des Rahmenwerks sind sieben Prinzipien, die der Vorbereitung und Erstellung eines integrierten Berichts dienen sollen. Unternehmen sind aufgefordert, diesen Prinzipien in einem integrierten Bericht möglichst zu entsprechen oder, falls dies nicht gelingt, die Nichteinhaltung zu begründen („comply or explain“).

Prinzipien

Ein integrierter Bericht soll…

  • Einblicke in die Strategie des Unternehmens geben und dabei Bezug auf die Fähigkeit des Unternehmens zur kurz-, mittel- und langfristigen Wertschöpfung nehmen (Strategischer Fokus und Zukunftsausrichtung).
  • die Kombination, Verflechtung und gegenseitige Abhängigkeit jener Faktoren zeigen, die die Fähigkeit des Unternehmens zur Wertschöpfung beeinflussen (Konnektivität der Informationen).
  • Einblick in Art und Qualität der Beziehungen des Unternehmens zu seinen bedeutenden Stakeholdern geben und zeigen, wie und in welchem Umfang es mit den legitimen Interessen und Bedürfnissen der Stakeholder umgeht (Stakeholder-Einbeziehung).
  • Informationen über Themen liefern, die bedeutenden Einfluss auf die Fähigkeit des Unternehmens haben, kurz-, mittel- und langfristig Wert zu schaffen (Wesentlichkeit).
  • möglichst kurz und prägnant sein (Prägnanz).
  • alle wesentlichen Themen – sowohl positive als auch negative – ausgeglichen darstellen (Verlässlichkeit und Vollständigkeit).
  • Angaben auf eine Art und Weise aufbereiten, die diese im Zeitverlauf nachvollziehbar macht und die Vergleiche mit anderen Unternehmen ermöglicht (Konsistenz und Vergleichbarkeit).

Gleichzeitig dient das Rahmenwerk als inhaltlicher Leitfaden. Es werden mögliche Angaben benannt, die Gegenstand eines integrierten Berichts sein sollen. Je Inhaltselement werden in zwei bis drei Sätzen grundsätzliche Anforderungen zusammengefasst, die jeder integrierte Bericht erfüllen sollte, der sich auf das <IR> Rahmenwerk bezieht. Zusätzlich gibt es eine Reihe weiterer inhaltlicher Anforderungen, die lediglich Orientierung bieten sollen. Sie konkretisieren die grundsätzlichen Anforderungen und bieten Hilfestellung bei deren Umsetzung, sind aber nicht zwingend erforderlich.

Inhaltselemente

Ein integrierter Bericht soll…

  • wesentliche Prozesse, Produkte und Märkte sowie relevante Rahmenbedingungen des Unternehmens darstellen (Organisation und externes Umfeld).
  • beschreiben, welche Governance-Strukturen und -Prozesse eine möglichst effektive Steuerung des Unternehmens mit Blick auf die kurz-, mittel- und langfristige Wertschöpfung sicherstellen (Governance).
  • das Zusammenspiel der Ressourcen, Kompetenzen und Beziehungen, die Voraussetzung für die Wertschöpfung des Unternehmens sind, veranschaulichen (Geschäftsmodell).
  • die wesentlichen Risiken und Chancen für die kurz-, mittel- und langfristige Wertschöpfung des Unternehmens sowie die Ansätze zu deren Handhabung beschreiben (Chancen und Risiken).
  • die Zielsetzung des Unternehmens sowie die Strategien, Ressourcen und Erfolgskontrollen der Zielverfolgung darstellen (Strategie und Ressourcenallokation).
  • Fortschritte bei der Verfolgung der Unternehmensstrategie sowie die finanzielle und nichtfinanzielle Leistung des Unternehmens abbilden (Leistungen).
  • Herausforderungen und Ungewissheiten bei der Umsetzung der Strategie sowie Folgen für das Geschäftsmodell und die zukünftige Leistung des Unternehmens benennen (Ausblick).
  • die Vorgehensweise für die Auswahl der im Bericht dargestellten inhaltlichen Schwerpunktthemen darstellen und beschreiben, wie diese Themen quantifiziert und bewertet werden (Grundlagen der Darstellung).

Quellen:

  • [1] So waren beispielsweise das International Accounting Standards Board als Herausgeber der International Financial Reporting Standards sowie die Global Reporting Initiative als Herausgeber der GRI Leitlinien vertreten.