Mehrwert integrierter Berichte

Im Vergleich zum Geschäftsbericht kann ein integrierter Bericht eine höhere Transparenz über die nichtfinanziellen Aspekte der Wertschöpfung erreichen. Damit einher geht die Hoffnung, dass sich der Informationsaustausch zwischen Unternehmen und Investoren verbessert und in der Konsequenz das Investitionsrisiko und damit die Kapitelkosten reduziert.[1] Erste Umfragen zeigen, dass sowohl SRI- also auch Mainstream-Investoren dieses Format tatsächlich gegenüber klassischen Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichten bevorzugen.[2] Auch für Unternehmen kann sich die erhöhte Transparenz auszahlen: Wissenschaftler der Harvard Business School sind in einer Studie zu dem Schluss gekommen, dass Unternehmen mit besserer CSR Performance und einem transparenterem Reporting leichteren Zugang zu Kapital haben.[3]

Erwartungen der Unternehmen

Eine Befragung im Rahmen des IIRC Pilotprogramms ergab, dass sich Unternehmen von integrierten Berichten folgende Vorteile versprechen:[4]

Erhöhung der Aussagekraft: Nichtfinanzielle Informationen beispielsweise zu Mitarbeiter-, Umwelt- oder Innovationsthemen werden mit finanziellen Faktoren wie Umsatz und Rendite verknüpft. Damit werden sie in einen Kontext gesetzt, in dem sich die Bedeutung nichtfinanzieller Aspekte für die Investitionsentscheidungen von Kapitalmarktakteuren leichter nachvollziehen lässt.

Stärkung der Zukunftsorientierung: Längerfristige Entwicklungen und Trends werden im Sinne ihrer Relevanz für die zukünftige Geschäftsentwicklung untersucht. Dabei liegt der Fokus nicht nur – wie im Rahmen der Geschäftsberichterstattung üblich – auf den Risiken, sondern auch auf den Chancen für die zukünftige Wertschöpfung.

Stringenz in der Gesamtkommunikation: Der ganzheitliche Blick auf finanzielle und nichtfinanzielle Informationen erleichtert eine widerspruchsfreie Darstellung der unternehmerischen Leistungen. Während die Nachhaltigkeitsberichterstattung oft noch losgelöst von der klassischen Kapitalmarktkommunikation eines Unternehmens erfolgt, ermöglicht Integrated Reporting eine konsistente „Equity Story“ zu kommunizieren.

Validität der Performance: Für den Kapitalmarkt relevante, nichtfinanzielle Angaben in einem integrierten Format werden in der Regel durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer im Rahmen der Geschäftsberichterstattung testiert. Auch wenn diese Angaben nicht immer im gleichwertigen Scope einer „hinreichenden Sicherheit“ der Finanzdaten liegen, so erlangen sie doch eine höhere Prüfungsgüte als isolierte Angaben im Nachhaltigkeitsbericht und sind somit für Kapitalmarktakteure aussagekräftiger.

Mittelfristige Prozesseffizienz: Die Zusammenführung unterschiedlicher finanzieller und nichtfinanzieller Reportingprozesse führt mittelfristig zu einer stärkeren abteilungsübergreifenden Vernetzung und größerer Effizienz in der Gesamtberichterstattung. Durch die Kooperation verschiedener Fachabteilungen und Geschäftsbereiche wird ein in vielen Organisationen noch verbreitetes Silodenken aufgebrochen und Potenzial für die Verbesserung interner Prozesse geschaffen. Dabei wird das Verständnis für komplexe Zusammenhänge, beispielsweise Wirkungsbeziehungen zwischen nichtfinanziellen Themen und Wertreibern, abteilungsübergreifend verbessert.

Quellen:

  • [1] International Integrated Reporting Council (2015): Creating Value – Value to Investors.
  • [2] Ernst & Young (2015): Tomorrow’s Investment Rules 2.0.
  • [3] Cheng et al. (2013): Corporate social responsibility and access to finance.
  • [4] Black Sun & IIRC (2014) Realizing the benefits. The impact of Integrated Reporting.