Deutlicher Qualitätssprung, aber weiterhin Verbesserungsbedarf

Fünf Jahre, nachdem das IIRC sein erstes Diskussionspapier veröffentlicht hat, geben die von deutschen Unternehmen erstellten Berichte ein gemischtes Bild ab: Unter den 21 integrierten Berichten für das Berichtsjahr 2014 findet man zwar zahlreiche Beispiele für die gute Umsetzung einzelner Qualitätskriterien. Auch im Vergleich zu den Vorjahren lassen sich deutliche Verbesserungen erkennen. Berichte, die in jeder Hinsicht überzeugen, sind aber nach wie vor rar.

IR-B_12-14_1024

Verteilung der integrierten Berichten auf die Bewertungskategorien des Integrated Reporting Rankings.

Im Vergleich zu den beiden Berichtsvorjahren lassen sich 2015 sowohl quantitative Fortschritte als auch qualitative Verbesserungen feststellen. Alle 15 Unternehmen, die bereits 2014 einen integrierten Bericht veröffentlicht hatten, schnitten mit ihren Folgebericht besser ab. Im Mittel verbesserten sie sich um ca. sieben Prozent. Außerdem nahm die Zahl der guten Berichte zu: Während unter den Berichten im ersten Analysedurchlauf 2012 noch keiner die 60 Prozent-Marke überschritt, waren es 2015 schon vier. Sie weisen in allen Bewertungskategorien mindestens solide und oft gute bis sehr gute Ansätze auf. Allerdings erfüllte nach wie vor keiner der Berichte die Bewertungskriterien im Gesamtergebnis zu mehr als 80 Prozent, die Kategorie „exzellent“ bleibt somit unbesetzt.

Der Anteil der als „solide“ bewerteten Berichte nahm um sechs Prozent zu: insgesamt 13 Berichte bewegen sich in diesem Bereich und liegen zwischen 30 und 60 Prozent. Insbesondere bei der Zusammenführung der finanziellen und nichtfinanziellen Dimension der Unternehmensperformance sowie bei der Beschreibung und Bewertung der für die Geschäftstätigkeit bedeutenden Stakeholder-Beziehungen zeigen diese Berichte allerdings noch deutlichen Verbesserungsbedarf.

Vier Berichte schnitten mit weniger als 30 Prozent als verbesserungswürdig ab. Bei diesen Berichten waren über alle fünf Bewertungskriterien hinweg Elemente einer integrierten Berichterstattung nur ansatzweise zu erkennen.

Rang Unternehmen Berichtstitel Ergebnis
1 SAP AG Geschäftsbericht 2014 75%
2 Deutsche Bahn AG Integrierter Bericht 2014 72%
3 EnBW AG Bericht 2014 66%
4 BASF SE Bericht 2014 65%
5 Bayer AG Geschäftsbericht 2014 60%
6 HOCHTIEF AG Konzernbericht 2014 59%
7 Symrise AG Unternehmensbericht 2014 59%
8 Infineon Technologies AG Geschäftsbericht 2014 58%
9 SolarWorld AG Konzernbericht 2014 57%
10 Deutsche Börse AG Unternehmensbericht 2014 54%
11 Siemens AG Jahresbericht 2014 54%
12 Lanxess AG Geschäftsbericht 2014 53%
13 Puma SE Geschäftsbericht 2014 52%
14 Flughafen München GmbH Bericht 2014 46%
15 HHLA AG Geschäftsbericht 2014 40%
16 TÜV Rheinland AG Unternehmensbericht 2014 39%
17 Triodos Bank AG Geschäftsbericht 2014 30%
18 Stadtwerke Heidelberg Gmbh Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht 2014 24%
19 Deutsches Milchkontor GmbH Integrierter Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht 2014 23%
20 Dresdner Verkehrsbetriebe AG Geschäftsbericht 2014 17%
21 Enercity AG Report 2014 15%

Die größten qualitativen Sprünge von 2014 zu 2015 zeigen sich bei der Beschreibung von Strategie und Geschäftsmodell sowie bei der Darstellung der Unternehmensperformance. Auch bei der Erläuterung wesentlicher Risiken und Chancen mit Nachhaltigkeitsbezug lässt sich gegenüber dem Vorjahr eine Verbesserung feststellen. Die Leistung im Bereich Stakeholder & Materiality fällt hingegen nur wenig besser aus. Insbesondere bei der Beschreibung des Materiality-Prozesses und der Verknüpfung der Ergebnisse mit anderen Berichtsinhalten gibt es nur geringen Fortschritt. Bei der Darstellung von Governance- und Compliance-Themen sind im Vergleich zum Vorjahr keine positiven Entwicklungen auszumachen.

Im Folgenden stellen wir die Ergebnisse der Unternehmen für das Berichtsjahr 2014 in den fünf definierten Bewertungskategorien (Strategie & Geschäftsmodell; Governance & Compliance; Unternehmensperformance; Ausblick; Stakeholder & Materiality) ausführlicher dar. Dabei veröffentlichen wir ein Detailranking in diesen Kategorien jeweils für die besten fünf besten Unternehmen („best in class“). Dadurch wollen wir Unternehmen, die noch Aufholbedarf haben, Ideen, Anreize und Umsetzungsbeispiele vermitteln. Eine Detailbewertung der Gesamtergebnisse stellen wir den bewerteten Unternehmen gerne auf Nachfrage vor.