Governance & Compliance

In der Kategorie „Governance & Compliance“ schneiden 13 der untersuchten Berichte mit „solide“ oder „verbesserungswürdig“ ab. Sieben Unternehmen werden als „gut“ und lediglich ein Unternehmen als „exzellent“ bewertet. Deutliches Verbesserungspotenzial wurde für die Kriterien „Unabhängigkeit & Diversität der Unternehmensführung“ und „Vergütung der Unternehmensführung“ identifiziert.

 

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Die fünf bestplatzierten integrierten Berichte 2014 in der Kategorie Governance & Compliance.

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Verteilung der integrierten Berichte 2014 auf die Bewertungsklassen in der Kategorie Governance & Compliance. (Verbesserungswürdig: <30%, solide: 30-60%, gut: 60-80%, exzellent: >80%)

 

Die fünf Bestplatzierten

Alle Top 5 Unternehmen erfüllen die Vorgaben, Empfehlungen und Anregungen des Deutschen Corporate Governance Kodex und spezifizieren die Rolle von guter Corporate Governance. Die Berichte zeichnen sich durch besonders gute Leistungen bei den Kriterien „Compliance“ und – bis auf ein Unternehmen – auch „Menschenrechte“ aus. Die Ergebnisse bei den Kriterien Unabhängigkeit, Diversität und Vergütung der Unternehmensführung unterscheiden sich stark.

Ergebnisse pro Kriterium

DCGK-Vorgaben

Anforderung: Erfüllt das Unternehmen die Vorgaben, Empfehlungen und Anregungen des Deutschen Corporate Governance Kodex? Wird die Nicht-Anwendung bestimmter Empfehlungen und Anregungen begründet („comply or explain“)?

Bei der Auswertung zeigte sich, dass der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) überall dort konsequent umgesetzt wird, wo er rechtsverbindlich ist. Hierüber entscheidet unter anderem die Rechtsform des Unternehmens. Börsennotierte Unternehmen haben alle Vorgaben des DCGK umgesetzt. Jedoch gehen nur sechs der Entsprechenserklärungen auch auf die nicht verpflichtenden Anregungen des DCGK ein.

Gute Corporate Governance

Anforderung: Wird die Bedeutung guter Corporate Governance für die Wertschöpfungsfähigkeit des Unternehmens erläutert? Geht der Bericht auf die Rolle von Vorstand und Aufsichtsrat in Bezug auf die strategische Entscheidungsfindung, Risikomanagement und Förderung von Innovationen ein?

Zwölf Berichte erfüllen das Kriterium „Gute Corporate Governance“ mit der Gesamtnote „gut“. Sie machen deutlich, welche Rolle die Unternehmensführung bei der strategischen Steuerung des Unternehmens oder der Wertschöpfungsfähigkeit einnimmt. In 16 Berichten wird die Rolle von Vorstand und Aufsichtsrat im Rahmen des Risikomanagements teilweise oder vollständig erläutert. Bemerkenswert ist, dass nur zwei Unternehmen Stellung zu der Rolle von Vorstand und Aufsichtsrat bei der Förderung von Innovationen beziehen. Eines davon ist Siemens: Der Bericht beschreibt, wie der Innovations- und Finanzausschuss des Unternehmens, dem der Aufsichtsratsvorsitzende sowie drei Aufsichtsratsmitglieder der Anteilseigner und vier Aufsichtsratsmitglieder der Arbeitnehmer angehören, unter anderem auf der Grundlage der Gesamtstrategie die Innovationsschwerpunkte erörtert.

Unabhängigkeit und Diversität der Unternehmensführung

Anforderung: Werden folgende Informationen zum Vorstand/Aufsichtsrat zur Verfügung gestellt: Die Unabhängigkeit der Aufsichtsratsmitglieder, der Frauenanteil im Vorstand und Aufsichtsrat mit Zielen zu dessen Steigerung sowie die Kompetenzen und Qualifikationen der Aufsichtsrats- und Vorstandsmitglieder?

Alle Unternehmen berichten über ihre Führungsgremien und erfüllen damit die zentrale Anforderung des Kriteriums „Unabhängigkeit und Diversität der Unternehmensführung“. Jedoch betonen nur zwölf aller analysierten Berichte die Unabhängigkeit der Aufsichtsratsmitglieder. Besonders auffällig ist, dass lediglich zwei Berichte auf den Frauenanteil sowohl im Aufsichtsrat und Vorstand eingehen; nur zwei Unternehmen setzen sich klare Ziele für die Erhöhung beider Anteile. Die Deutsche Börse übernimmt hier eine Vorreiterrolle und setzt sich zum Ziel, bis zum Jahr 2015 mindestens ein weibliches Vorstandsmitglied zu nominieren und den Aufsichtsrat auf der Anteilseignerseite mit mindestens zwei Frauen zu besetzen.  Elf Unternehmen geben in ihren Berichten keine Auskunft zu den Kompetenzen oder Qualifikationen der Führungsgremien.

Vergütung der Unternehmensführung

Anforderung: Wird dargestellt, wie sich die Vorstands- und Aufsichtsratsvergütung zusammensetzt? Wird die Vergütung mit der kurz-, mittel-, langfristigen Wertschöpfung und Nachhaltigkeitszielen verknüpft?

17 Berichte geben teilweise oder vollständig Auskunft darüber, wie sich die Vergütungen des Vorstands und Aufsichtsrats zusammensetzt. Bei 15 Unternehmen ist die Vergütung teilweise oder eindeutig mit Zielen für die kurz-, mittel- und langfristige Wertschöpfung verknüpft. Lediglich vier Unternehmen berichten über die Verknüpfung der Vorstandvergütung mit Nachhaltigkeitszielen. Als fortschrittlich erweist sich SAP, dessen Aufsichtsrat bei der variablen Vorstandsvergütung die erreichte Steigerung der Innovationsleistung, Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit sowie Arbeitgeberattraktivität berücksichtigt.

Compliance

Anforderung: Berichtet das Unternehmen über einen Code of Conduct, Verstöße dagegen, Gegenmaßnahmen, Meldemechanismen sowie Schulungs-/ Beratungs-/ und Informationsmöglichkeiten zur Unterstützung der Einhaltung des Kodex?

16 Berichte erhalten beim Kriterium „Compliance“ die Bewertung „exzellent“ oder „gut“. Compliance-relevante Vorgaben in Form eines Leitbildes oder Code of Conduct werden in 19 Berichten erläutert. 16 Unternehmen berichten von Mechanismen, mit denen Verstöße gemeldet werden können, allerdings nennen nur zehn Unternehmen die tatsächliche Anzahl an Verstößen. Neun Unternehmen beschreiben die Reaktionen oder Gegenmaßnahmen bei Verstößen. Bemerkenswert ist, dass 17 Unternehmen auf Schulungs-, Beratungs- und oder Informationsmöglichkeiten zur Einhaltung des Code of Conduct hinweisen. EnBW verfügt beispielsweise über ein Compliance-Management-System, das spezifisch auf die Prioritäten und Risiken der Energiewirtschaft und auf die Konzernstrategie ausgerichtet ist.

Menschenrechte

Anforderung: Besteht zur Einhaltung der Menschenrechte eine unternehmensinterne Policy, zu der auch Geschäftspartner verpflichtet werden? Werden präventive Schulungsmaßnahmen sowie Verdachtsfälle, tatsächliche Verstöße und Gegenmaßnahmen beschrieben?

Zehn der untersuchten Berichte erreichen beim Kriterium „Menschenrechte“ die Gesamtnote „gut“ oder „exzellent“. Ebenso viele haben sich im Rahmen einer konkreten Policy zur Einhaltung der Menschenrechte verpflichtet, verlangen dies auch von ihren Geschäftspartnern und bieten zusätzlich Schulungen zur Einhaltung der Menschenrechte an. Im Gegensatz dazu beschäftigen sich fünf Unternehmen überhaupt nicht mit dem Thema. 14 Unternehmen berichten nicht über Verstöße gegen Menschenrechte. BASF zeigt sich in diesem Bereich transparent und veröffentlicht die Ergebnisse der Überprüfungen zur Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen/ Menschenrechte.