Stakeholder & Materiality

Im Vergleich mit den anderen vier Kategorien fällt das Gesamtergebnis in der Kategorie „Stakeholder & Materiality“ am schlechtesten aus. 13 Unternehmen bewegen sich lediglich im Bewertungsrahmen zwischen „solide“ und „verbesserungswürdig“. Dabei besteht insbesondere bei der Beschreibung der Qualität von Stakeholder-Beziehungen Verbesserungsbedarf.

 

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Die fünf bestplatzierten integrierten Berichte 2014 in der Kategorie Stakeholder & Materiality.

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Verteilung der integrierten Berichte 2014 auf die Bewertungsklassen in der Kategorie Stakeholder & Materiality. (Verbesserungswürdig: <30%, solide: 30-60%, gut: 60-80%, exzellent: >80%)

 

Die fünf Bestplatzierten

Vier der fünf Bestplatzierten erreichen besonders gute Bewertungen bei den Kriterien „Materiality-Prozess“ und „Formate der Stakeholder-Einbeziehung“. Bei der „Qualität der Stakeholder-Beziehungen“ und den „Wesentlichen Themen“ schneiden selbst die Top 5 tendenziell schwach ab. Die Ergebnisse für „Stakeholder Management“ und „Externe Prüfung“ fallen gemischt aus; die Bestbewertung erreicht nur knapp den Bewertungsbereich „gut“.

Ergebnisse pro Kriterium

Stakeholder-Management

Anforderung: Wird ein grundsätzlicher Ansatz zum Stakeholder-Engagement beschrieben, die Bedeutung für das Unternehmen erläutert sowie ein Prozess zur Identifikation und Priorisierung von Stakeholdern angegeben?

Positiv ist, dass 14 Unternehmen einen grundsätzlichen Ansatz zum Stakeholder-Engagement beschreiben. Die gleiche Anzahl erklärt auch, welche Bedeutung Stakeholder-Engagement für ihr Unternehmen hat. Allerdings erläutern nur neun Unternehmen, wie wesentliche Stakeholder identifiziert wurden, oder wie eine Priorisierung der Stakeholder-Gruppen vorgenommen wurde. Eine Ausnahme ist BASF mit seinem Stakeholder-Engagement-Prozess: Dieser beschreibt wie konzernweit je nach Projekt Anspruchsgruppen identifiziert, ihre Erwartungen aufgenommen und der Austausch gesteuert werden können.

Formate der Stakeholder-Einbeziehung

Anforderung: Werden sowohl die wesentlichen Stakeholder-Gruppen und ihre Interessen als auch typische Engagement-Formen und deren interne Nutzung beschrieben?

Fast alle Unternehmen beschreiben, auf welche Weise sie unterschiedliche Stakeholder-Gruppen einbeziehen – allerdings unterschiedlich detailliert. Außerdem listen 16 Berichte wesentliche Stakeholder-Gruppen auf. Dabei erklären 16 Unternehmen, wie sie die Ergebnisse ihres Stakeholder-Engagements intern nutzen. 18 Unternehmen lassen jedoch unklar, welche Erwartungen und Interessen die Anspruchsgruppen des Unternehmens haben. Führend erweist sich hier die Deutsche Bahn mit einer detaillierten Auflistung der Top-Themen und Dialogformate je Stakeholder-Gruppe. TÜV Rheinland liefert ein gutes Beispiel für eine Nachhaltigkeitsstrategie, die sich an den Stakeholderbedürfnissen orientiert.

Qualität der Stakeholder-Beziehungen

Anforderung: Wird die Qualität der Beziehungen zu wesentlichen Stakeholder-Gruppen beschrieben und quantitativ bewertet? Wird die öffentliche Wahrnehmung des Unternehmens dargestellt?

Bei dem Kriterium „Qualität der Stakeholder-Beziehungen“ erzielen 18 Berichte eine Wertung zwischen „solide“ und „verbesserungswürdig“. Während noch zehn Unternehmen über die Qualität ihrer Beziehungen zu Kunden und Mitarbeitern berichten, werden die Beziehungen zu anderen wesentlichen Stakeholder-Gruppen in den meisten Fällen weder quantitativ noch qualitativ beschrieben. Lediglich vier Unternehmen thematisieren ihre öffentliche Wahrnehmung. Ein Beispiel ist enercity, die die Befragung von 700 Kunden zur Messung der Kundenzufriedenheit heranziehen.

Externe Prüfung

Anforderung: Wurden die Nachhaltigkeitsinhalte extern mit hinreichender Prüfungssicherheit geprüft und verweisen auf einen Prüfungsstandard?

13 Berichte liefern einen Nachweis über die externe Prüfung der Nachhaltigkeitsinhalte. Dabei wird jedoch deutlich, dass bei der Prüfung dieser Inhalte eine geringere Prüfungssicherheit angestrebt wurde als bei den finanziellen Inhalten. Die Mehrzahl dieser Prüfungen wurde entsprechend des International Standard on Assurance Engagements (ISAE) 3000 durchgeführt – ein für die Prüfung nichtfinanzieller Informationen vorgesehener Prüfungsstandard.

Materiality-Prozess

Anforderung: Werden sowohl der Materiality-Prozess und dessen Kriterien als auch die Rolle der Unternehmensführung und der Stakeholder bei der Bestimmung wesentlicher Themen erläutert?

16 Unternehmen erläutern die Systematik des Materiality-Prozesses, mit dem sie die wesentlichen Themen bestimmen. Nur zwölf Unternehmen geben dabei jedoch genauer Auskunft über die angewandten Bewertungsmethodik und -kriterien. Auch wird in elf Berichten nicht dargelegt, welche Rolle die Unternehmensführung bei der Bewertung spielt. Obwohl die Einbindung von Stakeholdern und die Berücksichtigung ihrer Interessen als essenziell für die zukünftige Wertentwicklung des Unternehmens dargestellt wird, binden lediglich 13 Unternehmen die Stakeholder auch bei der Bestimmung wesentlicher Themen ein. Der Materiality-Prozess von SAP zeichnet sich durch die ausgewogene Berücksichtigung  der eigenen sowie der Stakeholder-Perspektive aus. Die Bewertung der Themen ist bei SAP abhängig von deren Wichtigkeit für das Unternehmen, ihrer Relevanz für die finanzielle Leistung von SAP und den finanziellen, gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen, mit denen das Unternehmen rechnen muss.

Wesentliche Themen

Anforderung: Werden wesentliche Themen aufgelistet, in einer Matrix dargestellt, mit Maßnahmen, Zielen und Leistungsindikatoren verknüpft? Werden ihre Auswirkungen auf die Unternehmensstrategie und -performance und auch die Berichtsgrenzen für finanzielle und nichtfinanzielle Inhalte beschrieben?

14 Berichte weisen die Berichtsgrenzen aus. 15 Unternehmen listen wesentliche Themen des Unternehmens auf. Neun Unternehmen visualisieren die Ergebnisse zusätzlich in einer Matrix, aus der die Bewertung nach Wesentlichkeitskriterien hervorgeht. Unklar bleibt bei den meisten jedoch, weshalb die in den Materiality-Matrizen dargestellten Themen wesentlich für das Unternehmen sind. Außerdem wird nur in sechs Berichten beschrieben, mit welchen Management-Ansätzen die wesentlichen Themen adressiert werden, anhand welcher Leistungsindikatoren Auswirkungen und Fortschritte gemessen werden und welche Ziele das Unternehmen in Bezug auf die Themen verfolgt. In den meisten Fällen nehmen die Berichte den roten Faden der Materiality-Analyse zur Bestimmung des Berichtsinhalts in den übrigen Kapiteln nicht wieder auf. HOCHTIEF überzeugt hier, da das CR-Programm mit konkreten Maßnahmen und Zielen aus den Ergebnissen der Wesentlichkeitsanalyse abgeleitet wird. Darüber hinaus finden sich die wesentlichen Themen bei HOCHTIEF in der Berichtsstruktur wieder. Auch der Flughafen München nutzt seine Wesentlichkeitsanalyse und leitet wesentliche Themen für das strategische Nachhaltigkeitsmanagement sowie die integrierte Berichterstattung ab. Diese Erkenntnisse werden wiederum von der Geschäftsführung als Entscheidungsgrundlage für eine nachhaltige Entwicklung genutzt.