Unternehmensperformance

In der Kategorie „Unternehmensperformance“ erreichen lediglich fünf Unternehmen die Bewertung „gut“. Vor allem bei den Kriterien „Nachhaltige Produkte & Dienstleistungen“ und „Lieferketten-Management“ zeigen die Ergebnisse besonderen Verbesserungsbedarf.

 

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Die fünf bestplatzierten integrierten Berichte 2014 in der Kategorie Unternehmensperformance.

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Verteilung der integrierten Berichte 2014 auf die Bewertungsklassen in der Kategorie Unternehmensperformance. (Verbesserungswürdig: <30%, solide: 30-60%, gut: 60-80%, exzellent: >80%)

 

Die fünf Bestplatzierten

Alle Bestplatzierten überzeugen mit einer klaren Darstellung der Inputs, die kritisch für ihre Wertschöpfung sind (zum Beispiel Rohstoffe, Vorprodukte oder Arbeitskräfte). Zugleich erläutern sie, wie sie die Verfügbarkeit dieser Inputs sicherstellen. Dabei stechen die Top 5 vor allem durch ihr gutes Lieferketten-Management heraus, bei dem sie ökologische und soziale Auswirkungen berücksichtigen. Gut schneiden die Unternehmen auch bei der Darstellung von Personal- und Umweltthemen ab. Schlechtere Bewertungen erzielen allerdings auch die Bestplatzierten bei den Kriterien „Rahmenbedingungen“ und „Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen“.

Ergebnisse pro Kriterium

Rahmenbedingungen

Anforderung: Werden die wesentlichen makroökonomischen Rahmenbedingungen beschrieben sowie marktrelevante, technologische, gesellschaftliche, ökologische und politische Ereignisse, Entwicklungen und deren Auswirkungen bewertet?

19 Berichte erfüllen die Anforderungen des Kriteriums Rahmenbedingungen mit einer Bewertung zwischen „solide“ und exzellent“. Fast alle Berichte erläutern sowohl die wesentlichen makroökonomischen Gegebenheiten als auch die Entwicklung der Märkte und ihre Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf im Berichtszeitraum. Nur eine Minderheit der Unternehmen geht jedoch näher darauf ein, wie die unterschiedlichen Nachhaltigkeitseinflüsse auf ihr Unternehmen wirken. Sieben Berichte adressieren relevante technologische-, acht gesellschaftliche-, und neun ökologische Ereignisse und Entwicklungen. Mit 15 Unternehmen ist die Berichterstattung zu politischen Ereignissen deutlich höher. TÜV Rheinland beispielsweise legt großen Wert auf die Berücksichtigung externer nichtfinanzieller Ereignisse. So werden unter anderem Themen wie der demografische Wandel, die Technisierung der Landwirtschaft oder knappe Ressourcen im Hinblick auf die Geschäftsentwicklung betrachtet.

Inputs der Wertschöpfung

Anforderung: Werden die wesentlichen Inputs, einhergehende Verfügbarkeitsrisiken sowie risikomindernde Maßnahmen erläutert?

Zehn Unternehmen benennen teilweise oder deutlich wesentliche Inputs der Wertschöpfung für ihr Geschäftsmodell. Kaum ein Bericht gibt jedoch einen guten Überblick über die wesentlichen Inputfaktoren. Am ehesten wird noch das Thema Personal als Inputfaktor benannt: 16 Berichte beschreiben mögliche Risiken bei der Personalverfügbarkeit und damit einhergehende Maßnahmen. Die Deutsche Bahn nutzt grafische Darstellungen der Wertschöpfungsketten um auf Konzern- und Geschäftsfeldebene die benötigten Ressourcen bzw. Inputs aufzulisten.

Lieferketten-Management

Anforderung: Werden in Hinsicht auf die Lieferkette sowohl Umweltauswirkungen und Risiken erläutert, als auch Lieferanten nach Umweltkriterien, Arbeitsstandards- und Menschenrechten geprüft? Wird über die Ergebnisse dieser Prüfungen berichtet?

Beim Kriterium „Lieferketten-Management“ enttäuschen viele Berichte. Lediglich sechs Unternehmen schließen mit einer Gesamtbewertung von „gut“ oder „exzellent“ ab. Nur zwei Berichte kommunizieren die wesentlichen Auswirkungen der Lieferkette auf die Umwelt klar und vollständig. 13 der Unternehmen geben teilweise oder vollständig an, ihre Lieferanten nach Umweltkriterien zu prüfen – allerdings werden nur bei sechs der analysierten Berichte die Ergebnisse der Prüfungen veröffentlicht. Nur fünf Berichte beantworten die Frage, ob wesentliche Risiken der Verletzung von Arbeitsstandards oder Menschenrechten in der Lieferkette erläutert werden. Zwölf Berichte informieren über eine Prüfung zur Einhaltung von Arbeitsstandards und Menschenrechten bei ihren Lieferanten – die entsprechenden Prüfungsergebnisse veröffentlichen jedoch nur sechs Unternehmen.

PUMA schneidet bei diesem Kriterium mit voller Punktzahl am besten ab. Durch zahlreiche strategische Initiativen wie ein neues Bewertungssystem für Fabrik-Audits, Training und Kapazitätsaufbau, sowie durch seinen Einsatz für faire Löhne in den Produktionsländern beweist das Unternehmen seinen Vorsprung in diesem Bereich.

Darstellung von Personalthemen

Anforderung: Werden Personalthemen erläutert und mittels Maßnahmen veranschaulicht? Wird ihr Beitrag mit Kennzahlen quantifiziert, für mehr als eine Periode dargestellt, und durch Ziele und Soll-Ist-Abgleiche überprüft?

Der Einfluss von Personalthemen auf die Geschäftsentwicklung wird in fast allen Berichten erläutert. Dennoch bleibt ihre Darstellung verbesserungswürdig: Zwar stellt jedes Unternehmen die Entwicklung bedeutender Personalthemen mittels Kennzahlen dar, jedoch geben nur fünf Unternehmen für alle bedeutenden Themen Ziele an. Ein Vergleich der Zielwerte des Vorjahrs mit der aktuellen Leistung findet kaum statt. Die Entwicklung der Personalthemen wird jedoch qualitativ mit Bezug auf umgesetzte Maßnahmen und Projekte in allen analysierten Berichten veranschaulicht.

HOCHTIEF bietet beispielsweise eine detaillierte Erläuterung aller relevanten Personalthemen und stärkt die Glaubwürdigkeit der Aussagen sowohl mit Kennzahlenübersichten als auch mit Soll-Ist-Abgleichen. Die Messungen gehen dabei über die bekannten Standard-Kennzahlen hinaus und betrachten unter anderem auch den Anteil der Mitarbeiter, die nach einem international anerkannten und zertifizierten Arbeitssicherheits- und Gesundheitsschutz-Managementsystem abgedeckt sind.

Darstellung von Umweltthemen

Anforderung: Werden Umweltthemen erläutert, monetarisiert und mittels Maßnahmen veranschaulicht? Wird ihr Beitrag mit Kennzahlen für mehr als eine Periode dargestellt, und durch Ziele und Soll-Ist-Abgleiche überprüft?

Defizite weist auch die Darstellung von Umweltthemen auf: Zwölf Berichte setzen sich mit der Frage auseinander, welche Bedeutung Umweltthemen für die unternehmerische Wertschöpfungsfähigkeit haben. Sehr selten wird dieser Einfluss allerdings monetär beziffert. Auch hier werden von allen Unternehmen Kennzahlen gelistet, wobei Umweltziele in 15 Berichten genannt werden. Soll-Ist-Abgleiche der Umweltkennzahlen führen nur zwölf Unternehmen teilweise oder vollständig durch. Fast alle Berichte konkretisieren Maßnahmen und Projekte und veranschaulichen so bedeutende Umweltthemen.

Die Deutsche Bahn stellt beispielsweise Übersichten der Konzernperformance für alle drei Nachhaltigkeitsdimensionen dar. Darin werden sowohl Kennzahlen, Ziele, Soll-Ist-Abgleiche als auch die Treiber der Zielerreichung übersichtlich abgebildet. Somit wird ein quantitatives Monitoring der nachhaltigen Konzernstrategie ermöglicht. In Bezug auf die ökologischen Dimensionen werden Themen wie Recycling, Lärmsanierung oder erneuerbare Energien genannt, die sich auch konsistent in der Zielauflistung wiederfinden.

Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen

Anforderung: Werden Produkte und Dienstleistungen mit klaren sozialen und/ oder ökologischen Vorteilen beschrieben und ihr Anteil am Gesamtportfolio angegeben? Werden zusätzlich sowohl Nachhaltigkeitsaspekte in der Forschung und Entwicklung berücksichtigt als auch quantitative Ziele zu Nachhaltigkeitsinnovationen beschrieben?

Beim Kriterium „Nachhaltige Produkte & Dienstleistungen“ zeigen die Ergebnisse ebenfalls Verbesserungsbedarf. Zwar führen fast alle Berichte Produkte oder Dienstleistungen mit klaren ökologischen oder sozialen Vorteilen auf, allerdings machen nur drei Unternehmen Angaben über deren Anteil am Gesamtportfolio. Ein Best-Practice-Beispiel liefert das Unternehmen Siemens. Sie quantifizieren den Mehrwert von Produkten und Dienstleistungen, die negative Umweltauswirkungen verringern, über ein unternehmensinternes Umweltportfolio. Dabei werden auch die mit dem Umweltportfolio erzielten Umsatzerlöse angegeben. Aussagen über nichtfinanzielle Aspekte, die bereits in der Forschungs- und Entwicklungsphase berücksichtigt werden, treffen elf Berichte. Die Herausforderung dabei liegt aber offenbar noch darin, die nachhaltigen Innovationsziele zu quantifizieren. Lediglich drei Unternehmen formulieren quantitative Ziele zu Nachhaltigkeitsinnovationen. BASF geht dabei mit gutem Beispiel voran und beziffert klare Innovationsziele.